Mittwoch, 17. Oktober, 19 Uhr

*ALTEFABRIK

Wohin mit dem Abfall?

«When you build a house, you don’t have to forget to build a toilet.»
– Direktor des chinesischen Endlagerprogramms

Das Problem des atomaren Abfalls bleibt ungelöst. Weltweit gibt es noch kein einziges definitives Endlager für hochaktiven Abfall, einzig in Finnland ist der Bau einer solchen Einrichtung weit vorangeschritten. Die Schweiz sicherte sich aber mit einem einmaligen Problemlösungsprozess eine Schlüsselrolle zu: Das derzeit laufende Sachplanverfahren zur Evaluation eines Standortes für ein geologisches Tiefenlager hat Modellcharakter.

Zum aktuellen Stand: Dem Bundesrat wurde vorgeschlagen, dass die Standortgebiete Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost weiter auf ihre Tauglichkeit untersucht werden. Voraussichtlich entscheidet der Bundesrat Ende 2018 über den weiteren Verlauf.

Wie läuft so ein Prozess in einer demokratischen Gesellschaft ab? 2013 strich die Legislative das vom Bundesrat vorgeschlagene Vetorecht der Kantone aus dem Kernenergiegesetz. Regionale Interessen werden seit 2011 unter dem Begriff «Regionale Partizipation» ins Verfahren einbezogen. Ungefähr im Jahr 2030 sollen die Schweizer StimmbürgerInnen über das vorgeschlagene Tiefenlager abstimmen, falls gegen die Standortwahl ein Referendum ergriffen wird.

Die Schweizer StimmbürgerInnen gilt es also zu überzeugen. Davon, dass dieses Tiefenlager sicher (für Hunderttausende bis Millionen Jahre) und die beste aller Möglichkeiten ist. StimmbürgerInnen, denen (sicher nicht zum ersten Mal) das Wissen fehlt, die Komplexität dieses Problems zu verstehen. StimmbürgerInnen einer Gesellschaft, die solche monumentalen, die eigene Existenz überschreitenden Probleme lieber verdrängt, als sich intensiv damit auseinander zu setzen.

Simone Brander leitet im Bundesamt für Energie den Bereich Kommunikation und Forschung zur Entsorgung radioaktiver Abfälle. Sie ist die Schnittstelle zwischen einem der wichtigsten Akteure in diesem Prozess und der Öffentlichkeit. Wie kommuniziert ihr Team? Wie nimmt diese seinen Informationsauftrag wahr? Worüber wird nicht gesprochen? Wie kann Partizipation überhaupt erreicht werden? Wie wird mit den Medien kommuniziert und wie nehmen diese ihre Rolle wahr?

Zur Person
Simone Brander arbeitet seit über zehn Jahren beim Bundesamt für Energie im Bereich der Entsorgung radioaktiver Abfälle und leitet seit mehreren Jahren ein kleines Team, welches sich u. a. um die Kommunikation, die Forschung und die Finanzen zum Standortauswahlverfahren für geologische Tiefenlager in der Schweiz kümmert. Ursprünglich Umweltnaturwissenschaftlerin, hat sie sich in empirischer Sozialforschung, Forschungsmanagement sowie Public Management und Führung weitergebildet. Brander vertritt die Schweiz in einer Arbeitsgruppe der OECD, welche sich mit dem Wissenserhalt und der Markierung von geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle beschäftigt. Von den Erfahrungen der UNESCO zum Vorhaben, Lager für radioaktive Abfälle zum industriellen Kulturerbe zu erklären, bis zur Frage, wie Frauen, Jugendliche und Personen mit Migrationshintergrund vermehrt in den Prozess regionaler Partizipation einbezogen werden können: Simone Brander hat einiges zu erzählen.