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Öffentliche Führung durch die Doppelausstellung
am Sonntag 7. Juni, 14 Uhr
Familienführung und Atelier
am Sonntag 21. Juni, 14 Uhr
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Fotos: Umberto Romito
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«Er war der erste, der diese Insel entdeckte und nannte sie nach seinem Namen.» Dieses Beispiel aus einem Wörterbuch weist auf die sinnträchtige Kraft der Namensgebung hin. Eine Insel, die man nie besucht hat, sowie ein Mensch, den man nicht kennt, kann erst wahrgenommen werden, wenn sie/er einen Namen bekommt. Die Entscheidung etwas zu benennen, erlaubt es, dieses Etwas zu identifizieren.
Wenn ein Name sich jedoch nicht auf eine Person oder einen Ort bezieht, sondern auf eine Gruppe von Leuten, verweist der Name auf die Ideen und die Struktur der Gruppe. Die einzelnen Mitglieder bleiben hingegen abstrakt. Dieser Gedanke ist der Ausgangspunkt der Ausstellung, die unter anderem Künstlergruppen zeigt, die fiktive Charaktere erschaffen haben. Diese Charaktere wurden benannt und in den Vordergrund gestellt. Sie können als die Sprecher der Gruppen angesehen werden, als die Verkörperung derer Ideen.
Der Künstler selbst hingegen steht nicht im Vordergrund. Diese Situation findet man auch bei Kunsthandwerkern, die ihre Arbeit nicht signieren. Deshalb werden im Rahmen der Ausstellung auch illustrierte Bücher, Druckgraphiken, Objekte und Spielzeuge aus der Robinson-Bibliothek präsentiert, die Teil der Sammlung von Peter und Elisabeth Bosshard sind. Diese von anonymen Künstlern hergestellten Artefakte stammen aus verschiedenen Zeitepochen und beschreiben aus unterschiedlichen Blickwinkeln dieselbe Geschichte. Ein Geschenk der Künstlergruppe ALMA an das Sammlerpaar ergänzt diese Auswahl. Diese Arbeit bezieht sich inhaltlich auch auf Crusoes Geschichte auf seiner einsamen Insel.
Die Entwicklung fiktiver Figuren ermöglicht eine gewisse Freiheit, um Sichtweisen zu erläutern. Diese Möglichkeit wird von den drei Künstlergruppen General Idea, Claire Fontaine und Otolith Group untersucht. Der fiktive Charakter Miss General Idea der Gruppe General Idea wird als Muse inszeniert und zu einem emblematischen Charakter erhoben. Die Mitglieder der Gruppe Claire Fontaine wiederum betrachten sich als die Assistenten ihrer fiktiv erschaffenen Künstlerin. Die gezeigten Arbeiten dieser «kollektiven Künstlerin» weisen auf ein Anderswo hin – auf Amerika. Dieses Amerika bezieht sich auf Kafkas gleichnamigen Roman, der als einer seiner fröhlichsten gilt, und zeigt die Konfrontation der Hauptfigur Karl Rossmann mit dem Kontinent Amerika, die zu einer bitteren Erfahrung wird. Dr. Usha Adebaran-Sagar ist eine fiktive Nachfahrin der Otolith Group. Sie berichtet in einem Video über unsere aktuellen sozialen Strukturen und deren Konsequenzen, beobachtet aus einer fernen Zukunft, die sich im All abspielt. Die fiktiv erschaffenen Charaktere bieten ein Gefäss für Meinungen und Ansichten ihrer Erzeuger.
Die Künstlergruppen können als Arbeitsgemeinschaften betrachtet werden, die Raum für jedes Mitglied bieten. Ihr Funktionieren ist persönlich ohne individuell zu sein. Diese Situation ermöglicht es dem Künstler, hinter dem Gruppennamen zu verschwinden, wie im Fall einer anonymen Herstellung. Daher wird die Frage «Wer hat das Werk erschaffen» obsolet. Die Aufmerksamkeit ist auf die Möglichkeit einer gemeinsamen Subjektivität gelenkt, die den Begriff des Autors auf der Seite lässt, um sich auf den vielfältigen Inhalt der Formen zu konzentrieren. Ähnlich einer Geschichte, die nicht nur das erzählt, was ihre Fakten schildern, funktionieren die visuellen Formen in der Ausstellung als indirekte Vermittler von Weltanschauungen. Wir werden hier mit Identitätshüllen konfrontiert, die sich auf verschiedene Individualitäten und Meinungen beziehen.
Die Ausstellung zeigt Arbeiten, die auf ein Anderswo hinweisen, das noch zu erforschen ist: Sei es die Insel von Robinson Crusoe, unsere Zukunft, oder das von Kafkas Karl Rossmann erlebte Amerika. Diese Doppelausstellung beinhaltet zudem eine weitere Form von «Anderswo»: Es gibt einen Austausch mit dem Ausstellungsraum CEAAC in Strassburg. Die Künstlergruppe Bad Beuys Entertainment wird dort mit einer Einzelausstellung vertreten sein. Sie präsentiert hier bei uns einen Text, den sie über unsere Ausstellung geschrieben hat. Im Gegenzug wird die Künstlergruppe Claire Fontaine einen Text über die Ausstellung in Strassburg dort präsentieren. Somit wird die Ausstellung zu einem offenen Rahmen, der sich am Unbekannten orientiert.
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“He was the first to discover this island and named it after his name”. Drawn from a dictionary, this example used to define the verb “to name”, points out the evocative power of names. The existence of an island that one has never seen, or of an unknown person, can only be acknowledged once it receives a name. The decision to name someone or something allows us to identify it for a general purpose.
However, if a name does not refer to a person or place, but to a group of people, then it identifies the ideas and the structure of that group. Its individual members, in turn, remain abstract. The starting point of this exhibition is artists’ groups that have created fictitious characters. These characters are foregrounded as the incarnation of the ideas of the group.
In these constellations, the artist himself is not on the front burner. The same situation occurs with craftsmen who do not sign their work. Illustrated books, prints, objects or toys coming from the Robinson library, which is part of the collection Peter and Elisabeth Bosshard, are also featured in the exhibition. These artefacts, made by anonymous artists, come from various time periods and all depict the same story from different points of view. A gift from the artists’ group ALMA to the collectors completes this selection and relates as well to Crusoe’s tale on the desert island.
The fictional realm offers a certain freedom to express a point of view. The exhibited artists’ groups explore here the possibilities offered by this realm. The fictional figure of Miss General Idea is portrayed as a muse and transformed into an emblematic figure by the artists’ group General Idea, whereas the members of Claire Fontaine consider themselves to be assistants of this “collective artist”. In the exhibition, the works by the latest evoke an “elsewhere” – America – and are based on Kafka’s eponymous book. Considered to be one of his most joyful texts, it reports a confrontation with the continent that nevertheless remains a bitter experience for its main character Karl Rossmann. In a video work, Dr. Usha Adebaran-Sagar, a hypothetical descendant of a member from the Otolith Group, describes our current social structures and their consequences, as if observed from outer space in the future. These characters provide a shell for the discourse and opinions of each group.
The artists’ groups can be regarded as working communities that provide space for each member of the group. Their structure is personal without being individual. Indirectly, this working structure implies the invisibility of the artists behind the name of the group, which also occurs in the case of an anonymous maker or fabricator. In the exhibition, the question of knowing “who did what” becomes obsolete. The focus instead is on the possibility of a plural subjectivity, leaving the notion of author aside to concentrate on the multi-layered discourse expressed by the visual shapes. Just like a tale is not only about the facts that it narrates, the visual forms shown here serve as indirect mediators of opinions and ideologies We are faced with shells for identities, able to contain various individualities and opinions.
The exhibition displays works that suggest an elsewhere, an unknown territory to be explored, whether it is the Island of Robinson Crusoe, the future, or the America experienced by Karl Rossmann. The double exhibition in Rapperswil-Jona also suggests an elsewhere in its form: a collaboration with the exhibition space CEAAC in Strasburg extends its structure. The artists’ group Bad Beuys Entertainement, concurrently exhibiting in Strasburg, has written a text about the issues developed in the exhibition in Rapperswil-Jona. Likewise, the artist group Claire Fontaine has written a text about the show in Strasburg. The exhibition thereby turns into a frame open to the unknown.
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