24. März 2018 – 6. Mai 2018

*ALTEFABRIK und Kunst(Zeug)Haus

Tarnen, täuschen, imitieren

Peter Baracchi / Denise Bertschi / Florian Bühler / Lotte Meret Effinger / Leo Fabrizio / Nicole Hassler / Carol May / Simon Menner / Nils Nova / Eva O’Leary / Gianluca Trifilo / wiedemann/mettler

Bemühungen etwas zu verstecken oder unsichtbar zu machen sind allgegenwärtig. Man könnte geradezu von einer Kultur der Camouflage sprechen, die sich in sämtlichen Bereichen des Lebens niederschlägt. Am bekanntesten sind Strategien der Camouflage aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie aus dem Militärischen. An Soldaten, die sich im ersten Weltkrieg in toten Pferden versteckten, denkt bei diesem Thema kaum mehr jemand. Aber die einschlägigen Muster, die sich im zweiten Weltkrieg etablierten – entworfen von Künstlern der Moderne – haben sich nicht zuletzt mit ihrer Verbreitung in Mode und Popkultur ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben.

Die Ausstellung Tarnen, täuschen, imitieren versammelte Arbeiten von 12 Schweizer und internationalen zeitgenössischen KünstlerInnen, die sich auf verschiedene Arten mit der Camouflage als ästhetischer Strategie befassen. Dem manchmal behelfsmässigen und dilettantischen Verwischen wurde ebenso auf den Grund gegangen wie ausgeklügelten Strategien der Täuschung.

CAMOUFLAGE AM KÖRPER…

Ein Fokus der Ausstellung lag auf den Camouflage-Mechanismen der Werbe- und Konsumindustrie, der Propaganda und der medialen Vermittlung des Selbsts. Wie wird der Körper (insbesondere: der weibliche Körper) getarnt oder zur Täuschung eingesetzt?

Lotte Meret Effinger und Carol May zerpflücken die eindimensionale Repräsentation des Weiblichen, indem sie in der Werbung eingesetzte Techniken der Täuschung geschickt imitieren und teilweise ins Absurde führen. Nicole Hassler fertigt monochrome Gemälde aus Kosmetika (Nagellack, Blush oder Lidschatten Pigmente) und hinterfragt dieses Diktat der Schönheit (oder der Täuschung?).

Simon Menner kombiniert in der Serie Role Models (undatiert) Posen aus terroristischen Propagandavideos mit ähnlichen Bildern, die er im Netz findet. Die Gegenüberstellungen konfrontieren den Betrachter mit der unbehaglichen Ungewissheit darüber, wer hier als wessen Vorbild auftritt.

Mit ihrer Installation Spitting Image (2017) beleuchtet Eva O’Leary einen verblüffend intimen Moment der Camouflage: Sie porträtiert jugendliche Mädchen vor einem Zweiwegspiegel. Dabei wechselt der Blick des Betrachtenden zwischen grösster Intimität und dem offiziellen Bild, das hier entstehen soll.

… CAMOUFLAGE IN DER UMGEBUNG

Der Vorhang in I won’t let the sun go down on me (2017) von wiedemann/mettler schafft ein Bühnenbild und schützt gleichzeitig den Innenraum vor Blicken von Aussen. Er leitete zum zweiten Feld der Camouflage über, das die Ausstellung absteckte: Tarnung, Täuschung und Imitation im Bereich des Räumlichen und der Architektur.

Denise Bertschi verarbeitet in ihrer Installation Neutrality as an Agent (2016) die Tarnmalereien eines Bunkers zu zeltartigen Gebilden. Nicht nur diese Arbeit verweist auf den Ursprung der Camouflage im Militärischen. Leo Fabrizios Fotografien beschäftigen sich mit dem Schweizer Fetisch des Bauens in Fels und Untergrund und thematisieren auch ganz andere Momente der Camouflage in der Architektur, wie Glasbauten oder Reihenhäuser in Thailand.

Peter Baracchi zeigt in This Never Happened (2014–2015) das malerische Potenzial der Fachstelle Graffiti Zürich: Tags und Graffitis an Bauten im Besitz der öffentlichen Hand werden zügig und akkurat übermalt. Baracchi entwirft im Ausstellungsraum Malereien, die den unfreiwilligen «Kunstwerken» nachempfunden sind.

Wer die von Gianluca Trifilo installierte Virtual Reality Brille aufsetzt, taucht in Blind Spots (2017) ein. Trifilo lässt Räume und Orte virtuell aufleben, die von Heroin- und Methadonsüchtigen frequentiert werden. Er legt damit blinde Flecken der Gesellschaft offen und gibt den in die Unsichtbarkeit Gedrängten eine Stimme.

Zu guter Letzt zeigt sich in Florian Bühlers Malerei, die zum Beispiel Interieurs der Wohnungen von Gewaltverbrechern zeigt, dass das Moment der Camouflage sich oftmals nicht dingfest machen lässt und eine Ahnung bleibt.

Eine besondere ortsspezifische Intervention schafft Nils Nova. Er verknüpft die Architektur des Kunst(Zeug)Hauses mit jener der *ALTEFABRIK und ermöglicht an beiden Orten eine fotografisch-architektonische Täuschung, die es in sich hat.

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Die Ausstellung wurde unterstützt von:
Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung
Stadt Luzern FUKA-Fonds
Stadt Baden